"Partisanen" von Pjotr Karpowitsch Ignatow

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Packard
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"Partisanen" von Pjotr Karpowitsch Ignatow

Beitrag von Packard » 23.06.2010, 11:05

"Partisanen" von Pjotr Karpowitsch Ignatow ("Batja") veröffentlicht zwischen 1943 und 1953


Es fängt alles ganz harmlos an. Die Bewohner des Kubangebietes im südwestlichen Teil Rußlands östlich des Schwarzen Meeres gehen ihren Alltagsverrichtungen nach. Es spielt sich in der Margarinefabrik "Glawmargarin" und benachbarten Kombinaten ab. Der Erzähler Ignatow hat Frau und drei Söhne, die in der Gegend arbeiten.

Als die Deutschen Anfang der vierziger Jahre kommen wird eine Partisanenabteilung gegründet, Ignatow wird deren Leiter. Es sind überwiegend Intellektuelle, Ingenieure und Direktoren in seiner Abteilung. Zunächst ziehen sie um und bauen sich einen Unterschlupf in einer sehr unzugänglichen Region an einem Berghang, der nur über einen verborgenen Weg erreichbar ist. Das wird alles sehr sorgfältig gemacht, mit richtigen Häusern, Minenwerkstatt, Tischlerei, Schusterei, Schneiderei und versteckten Lagern. So ziehen sich die ersten hundert Seiten hin.

Dann beginnen die "Aktionen". Verblüffend, wie effektiv sie sind. Bei den Ersten erzielen sie regelmäßig Schäden von 20-150 Mann und einigen Wagen und Ausrüstung, ohne eigene Verluste. Das Vorgehen ist meist ähnlich. Nach sorgfältigen Erkundungen werden auf einer Landstraße Minen verlegt. An der Spitze der deutschen Wagenkolonne fährt immer ein Panzer. Wenn der Panzer auf die Mine läuft werfen die Partisanen Brandflaschen und Handgranaten auf die folgenden Wagen. Die Deutschen kommen heraus und werden mit MP-Feuer empfangen. Dann wird das Zeichen zum Rückzug gegeben, bevor sich die Deutschen von ihrem Schrecken erholen können.

Die Deutschen sind schon so verunsichert, daß sie sowohl zu Fuß als auch im Fahrzeug ständig mit MP`s in die Büsche am Wegrand schießen, auch wenn keinerlei Anlaß besteht, also es keine Anzeichen von Partisanen gibt. Jedoch erwischen sie dabei nie Einen.

Die Partisanen führen mit der Zeit Dutzende von kleineren und größeren Aktionen durch. Führer sind Batja und seine Söhne Jewgwgeni und Genja. Sie planen sehr sorgfältig. Bei der Durchführung dann gilt es nächtelang durch die Wildnis, durch steile Schluchten und reißende Bäche zu Fuß, auf dem Pferd oder auch im Auto zum Einsatzort zu gelangen, die Aktion durchzuführen und wieder zurückzuschleichen.

Dann kommen bei der Verminung von Eisenbahngleisen Batjas Söhne ums Leben, weil der Zug unerwartet früh kommt. Doch es muß weitergehen. Die Reden Stalins im Radio geben ihnen wieder neuen Mut. Die Männer singen, einige haben tiefe Bässe. Die Parteizugehörigkeit nehmen sie sehr ernst.

Viele intelligente Ingenieure sind in der Gruppe. Sie tüfteln eine Eisenbahnmine aus, die gewichtsgesteuert bei einer Lok hochgeht, aber nicht bei einer Panzerdraisine. Ebenso Landminen, die nur bei einem LKW ansprechen, nicht bei Ochsenkarren. Dabei sind diese Minen komplett aus Holz, nicht ein Gramm Metall! So finden die Minensuchgeräte sie nicht.

Bei der Sprengung einer gut bewachten Fabrikanlage mit Sprengstofflager kommen chemische Bomben zum Einsatz. Russische Frauen, die von den Deutschen zum Saubermachen gezwungen werden erhalten von den Partisanen Besen in deren Stiel Metallkapseln mit einer Säure eingearbeitet sind. Sie lassen sie am Arbeitsplatz liegen. Die Säure frisst sich in wenigen Stunden durch die Metallkapseln und sprengt nachts die ganze Anlage.

Schließlich wird doch noch Jewgenis Plan realisiert eine Minenlegerhochschule aufzubauen. Hier werden den Partisanen in einem sechzigstündigen Kursus die Grundlagen des Minenlegens beigebracht. Straff organisiert, wie alles in dem kleinen Partisanencamp, deren Kerntruppe nicht mehr als 50 Männer und Frauen sind.

Inzwischen haben die Deutschen dazugelernt. Nun legen sie die Sohlen der Schienen bloß, damit man keine Minen darunter legen kann. Alle hundert Meter Posten. Patrouillen. Gepanzerte Draisinen fahren die Strecke regelmäßig ab. Die Umgebung wird vermint und mit Stacheldraht gesichert. Die Posten schießen ohne Warnung auf Alles, was sich nähert. Wenn ein Zug - mit 3 bis 5 km/h - sich nähert erscheinen links und rechts alle 30 m Kraftwagen mit MP-Schützen. Vorn hat der Zug drei Rungenwagen mit Steinen, die genausoviel wiegen wie eine Lok um eventuelle Minen auszulösen. Dann folgen zwei gepanzerte Waggons auf denen schwere MG und ein Geschütz stehen. Nun erst kommen die Lok und die üblichen Waggons. Zu beiden Seiten fahren an den Rändern des Dammes Kradfahrer mit MG. Auf den Trittbrettern der Waggons krallen sich überall MP-Schützen fest.

Zunächst entmutigt, gelingt es ihnen doch den Zug zu sprengen! Sie konstruieren eine Mine, die mit Verzögerung explodiert, sodaß sie von dem ersten Rungenwagen ausgelöst wird und später unter der Lok hochgeht. Sie verlegen 6 große Minen, die den gesamten Zug mit Lok und etwa 48 Waggons in die Luft jagen!

Am Ende des Buches, als die Rote Armee die Deutschen verdrängt, gehen sie zurück nach Krasnodar. Batja zieht Bilanz:

Die Gruppe von einigen Dutzend Partisanen hat in einem halben Jahr gesprengt und zerstört:

16 Lokomotiven,
392 Waggons von Militär- und Hilfszügen,
41 Panzer,
36 schwere Geschütze,
über 100 kleinere Geschütze und Minenwerfer,
113 Kraftwagen,
über 100 Krafträder mit Beiwagen,
34 Brücken,
8000 Faschisten getötet oder schwer verwundet.
Insgesamt etwa eine vernichtete Division.
(nicht erwähnt: mindestens 1 Flugzeug)

Eigene Verluste:
3 Tote beim Verlegen von Eisenbahnminen, als die Züge zu früh kamen,
2 Hingerichtete,
2 Schwerverletzte.


Am 21. Februar 1943 steht im "Bolschewik", der Zeitung von Krasnodar, daß Batja und seine Frau für eine Auszeichnung vorgeschlagen sind. Ihre gefallenen Söhne Jewgeni und Genja erhalten die höchste sowjetische Auszeichnung:

" Held der Sowjetunion "


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