Die Panzerschlacht um Cambrai

Hier wird über Kriegskonflikte, Schlachten und Waffen der Neuzeit diskutiert.
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Krupp
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Die Panzerschlacht um Cambrai

Beitrag von Krupp » 30.10.2005, 20:19

Die Panzerschlacht um Cambrai 1917

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Der Tank
1917 lag der Schwerpunkt der deutschen Angriffe im Osten und richtete sich gegen das vor dem Zusammenruch stehende Russland. An der Westfront regierte der Stellungskrieg und man blieb defensiv. Die Entente hatte die zeitweilige Schwäche des deutschen Westheeres genutzt und hatte eine Reihe von Offensiven gestartet, die zwar einige Teilerfolge brachten, aber die Position des kaiserlichen Heers nicht nennenswert beeinträchtigten. Dabei waren auch in immer stärkerem Maße Panzerwagen, genannt „Tanks“, zum Einsatz gekommen. Sie sollten als Stoßkeile und Schutz für die Infanterie dienen, um die gegnerischen Grabenlinien zu überwinden, die mit Artillerie und Maschinengewehren gespickt waren und immer wieder Infanterieangriffe unter schwersten Verlusten abgewiesen hatten. Dabei hatte es bereits erste Erfolge gegeben, allerdings litten die Tanks auch noch unter erheblichen Schwachpunkten. Ihre Geländetauglichkeit war unzureichend und ihre Panzerung zu schwach, konzentriertes MG-Feuer oder Artillerietreffer konnten sie stoppen, weshalb die Deutschen in derartigen Waffen auch lange keinen Sinn sahen. Bislang waren die Tanks auch nur vereinzelt zum Einsatz gekommen, um der vorgehenden Infanterie den Weg zu bahnen und gegnerische Verteidigungsstellungen auszuheben. Weithin wurde die Entwicklung der Kampfwagen als Irrweg angesehen, und die Soldaten hatten noch kein Vertrauen zu dieser neuen Waffe gewonnen. Für den November 1917 war jedoch ein neuerlicher Angriff gegen die deutsche Front bei Cambrai geplant, der einen Masseneinsatz von Kampfwagen vorsah. Drei britische Panzerbrigaden, jede bestehend aus 3 Panzerbataillonen mit zusammen 126 Tanks, sollten zusammen mit 6 Infanteriedivisionen die deutschen Stellungen aufbrechen und einem dahinter stehendem Kavalleriekorps den Durchbruch durch die feindlichen Linien ermöglichen.
Die dafür zum Einsatz kommenden Tanks der Typen Mark IV und Mark V waren Neuentwicklungen, wesentlich schneller und geländetauglicher als ihre Vorgänger vom Typ Mark I. Sie waren mit insgesamt 12 Mann Besatzung bemannt und trugen 6 MG’s oder zwei 5,7 cm-Kanonen. Das Hauptziel war die Einnahme des Eisenbahnknotenpunktes Cambrai.

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Die britische Attacke
Mit einem schlagartig einsetzenden Trommelfeuer aus 1000 Geschützen, das 20 Minuten lang anhielt begann der Morgen des 20. November 1917.
Die Briten hatten die Offensive eröffnet, danach wurde ein künstlicher Nebel über das Schlachtfeld geblasen, unter dessen Schutz die über 300 Tanks auf einer Frontbreite von 10 Kilometern zum Angriff antraten, begleitet wurden sie von Sturminfanterie. Sie drangen mit Leichtigkeit zwischen die starken deutschen Abwehrstellungen der "Hindenburglinie" vor und überwanden Gräben und Drahthindernisse, während die deutsche Abwehr durch den Nebel kaum Gelegenheit zum Feuern hatte. Gegen Mittag waren die Briten 7 Kilometer tief in das deutsche Stellungssystem eingebrochen und hatten den Verteidigern schwerste Verluste zugefügt, einzelne Stützpunkte wurden jedoch hartnäckig verteidigt.
Dieser erste Tag brachte den Briten etwa 8000 Gefangene und 100 erbeutete Geschütze, jedoch war die Zusammenarbeit zwischen Tanks und Infanterie noch nicht perfekt, weil viele Offiziere der Fußtruppen den Tanks misstrauten.
Rund 165 Tanks vielen aus jedoch waren nur 65 zerstört worden, der Rest blieb wegen technischer Mängel liegen. Bereits am nächsten Tag überquerten erste britische Einheiten die Schelde, und am 22. November erreichten englische Kavalleriepatrouillen Cambrai. Die Britten litten jedoch durch das völlig zerwühlte Gelände unter Nachschubschwierigkeiten, so dass ihr Angriff stecken blieben während die Deutschen schnellstens Reserven heranführten.
Schon am 30. November begann die Heeresgruppe Rupprecht von Bayern eine Gegenoffensive, welche den Briten in heftigen Kämpfen innerhalb einer Woche einen großen Teil des eroberten Geländes wieder abnehmen konnte. Dabei wurden 9000 Gefangene gemacht und 148 Geschütze sowie 700 MG’s erbeutet. Die Deutschen wandten bei dieser Offensive zum ersten Male die von General von Hutier entwickelte Infiltrationstaktik an, welche bei den Offensiven 1918 für die Erfolge der Deutschen verantwortlich war. Im Verlauf der Schlacht um Cambrai verloren die Deutschen etwa 50.000, die Briten ca. 45.000 Mann.

Ein von Deutschen eroberter britischer Tank.
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Fazit
Die Nachwirkungen der Offensive überstiegen ihren begrenzten Erfolg bei weitem. Zwar war der Angriff selbst am Ende wenig erfolgreich gewesen hatte jedoch demonstriert, was die Tanks zu leisten imstande waren, wenn sie massiert und mit Infanterieunterstützung zum Einsart kamen. Die Entente vergrößerte entsprechend ihren Bestand an Tanks dramatisch und entwickelte sie ständig weiter. Auch die Deutschen hatten vorgeführt bekommen, was ein gepanzertes Fahrzeug leisten konnte, und begannen mit der Entwicklung eigener Panzer, deren vorläufiger Endpunkt der A7V sein sollte. Im Jahr 1918 waren die Tanks ganz wesentlich daran beteiligt, die Stellungen der Deutschen aufzubrechen und sie aus Frankreich zu vertreiben.
Die Epoche des Stellungskrieges war am Ende und die neue Waffengattung legte den Grundstein für die moderne Kriegsführung. Im Zweiten Weltkrieg ermöglichten schnelle Vorstöße massierter Panzerkeile im Zusammenwirken mit der Infanterie und Luftwaffe die neuartige Blitzkriegtechnik, die es den Deutschen ermöglichte, fast ganz Europa zu beherrschen.
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Beitrag von Khamûl » 31.10.2005, 16:34

jo, vielen dank dafür
kann man mir nach mal bitte erklären was man unter der oben genannten infiltrationstaktik versteht. hab noch nie davon gehört

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Beitrag von [-ZK-] » 31.10.2005, 16:51

Infiltrieren heisst soviel wie "ungesehen/unbemerkt einschleichen", daher lässt es sich leicht ableiten, dass die deutschen truppen wohl über nacht oder so versucht haben, die feindstellungen unbemerkt zu umgehen um dann sozusagen von hinten die feinde zu überraschen.

wer mich eines besseren belehren will-gerne!

Ciao-ZK

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Beitrag von Krupp » 31.10.2005, 21:07

Abend Leute

Nein Zubi, ich will Dich nicht korrigieren.
Der Ausdruck Infiltrieren stammt von Wasser, Flüssigkeit, dass in den Boden einsickert.
Genauso lautlos und unbemerkt, "sickern" Einheiten in feindliche Stellungen ein.

Bei einer Infiltration werden bei den Einsatztruppen die Gesichter geschwärzt, alles was klappert wird dingfest und lautlos gemacht und
was glänzt wird ebenfalls geschwärzt.

Gruss

Krupp
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Beitrag von Sniper » 31.10.2005, 23:13

Cambrai...hmm

die erste schlacht bei der panzer zum ersten mal an wert beweisen durften.
das das unser lieber Krupp, der freund allem was ketten und stahl hat so detailreich und super rüber bringt...
das wundert mich nicht ;)

aber sehr schön!
ich könnte meinen, dass drehbuch zur doku, die ich vor zwei wochen darüber gesehen habe, stammt von dir...

grüße
Sniper
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Danke...


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Beitrag von Khamûl » 01.11.2005, 14:23

Krupp hat geschrieben:Abend Leute

Nein Zubi, ich will Dich nicht korrigieren.
Der Ausdruck Infiltrieren stammt von Wasser, Flüssigkeit, dass in den Boden einsickert.
Genauso lautlos und unbemerkt, "sickern" Einheiten in feindliche Stellungen ein.

Bei einer Infiltration werden bei den Einsatztruppen die Gesichter geschwärzt, alles was klappert wird dingfest und lautlos gemacht und
was glänzt wird ebenfalls geschwärzt.

Gruss

Krupp
ah, vielen dank. wenn ich das so sehe hät ich eigentlich von selbst drauf kommen können

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Beitrag von corben » 02.11.2005, 21:24

...meines Wissens wurde der Gegenangriff von speziell ausgebildeten Sturmtruppen angeführt; diese Truppen waren besser mit unterschiedlichsten Waffen ausgerüstet, von leichten Maschinengewehren, Maschinenpistolen bis transportablen Mörsern. Ihr Ziel war es schnellstmöglich vorzudringen, Widerstandsnester zu umgehen, also zu infiltrieren, und schnell Raum zu gewinnen. Dies war eine Abkehr von den Angriffstaktiken zu Beginn des Krieges, als auf breiter Front (in Schützenlinie), ohne Rücksicht auf Verluste oder die besonderen Gegebenheiten des Geländes zu berücksichtigen, angegriffen wurde. Aus diesen Massenangriffen müssen dann gezielte Stossangriffe entstanden sein, die für die nachfolgende Linieninfanterie den Weg öffneten.
Ich meine, ich hätte irgendwo eine ziemlich gute Quelle, muss sie aber erst raussuchen. Ist auf jeden Fall ein Buch von Osprey aus der Men-At-Arms-Serie. ..liefere die Quelle noch nach.
Das soll natürlich diesem militär-"hsitorischen" Ereignis keinen Abbruch tun ...der erste Masseneinsatz von Panzern; sicher eine böse Überraschung für die Verteidiger.
--- Decken Deine Flanken - massiere Deine Angriffseinheiten - sorge für Reserven ...dann sollte es schon klappen! ---

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Beitrag von Krupp » 14.11.2005, 22:39

Hi Leute

Das war wohl wirklich ein beängstigendes Gefühl für die Verteidiger, als man es plötzlich mit gepanzerten Maschinen zu tun bekam. :shock:

Naja, die Kriegstaktiken entwickelten sich und gerade da bewies der Mensch wieder seinen Einfallsreichtum wenn es darum geht, einen Gegner zu killen.

Wie sehr sich aber die Technik auch entwickelt, am Ende bleibt der Mensch und je näher er sich dem schlechter gerüsteten Feind nähert, desto ausgeglichener wird der Kampf.

Eine Stadt einnehmen ist eine Sache, aber diese auch halten eine ganz andere. Gegen einen dauernd rebelliernden Feind ist es fast unmöglich, ohne erhebliche Verluste bestehen zu können.
Partisanenkrieg kennt keine Regeln, denn der Unterlegene wehrt sich mit allem was er hat, aber vor allem mit Attacken aus dem Hinterhalt.
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Oberst Floppy
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Beitrag von Oberst Floppy » 15.11.2005, 00:41

Jo, war aber nicht der erste erfolgreiche Einsatz von Panzern (eher der erste erfolg von Panzern en-masse).

Laut dem Buch: "THE WORLD´S GREATEST TANKS from 1916 to present day" von Roger Ford war es am 15 September 1916 als die Panzerwaffe ihren ersten Erfolg einheimste.

Zitat: Almost against the odds, and at considerable cost, the early tanks proved themselves to be effective in the limited tactical role allotted to them. Many a German infantryman broke and ran from the frontline defences at the sight of them, and many more were shot down or crushed, while the hitherto impregnable hardened defensive positions proved vulnurable to the combination of armoured vehicles and infantryman in close support.
Of the seven tanks that left the start line together in the centre of XV Corps´s sector (the largest number deployed together on 15 September) four were knocked out, but the three survivors pushed on to the objective - the village of Flers, almost 2km behind what had been the German front line. There they chalked up the first important success for the new weapon with the battle just two and a half hours old.
In all the "push" of 15 September saw the British line thrust forward by almost 2km across a front more than 9km wide. The day´s achievements included the capture of three villages that had been very strongly fortified indeed - a greater gain than any madein a single day during the Somme offensive up to that time.

Die Deutschen wussten schon vor Chambrai das die Briten und Franzosen solche Maschinen hatten, nur vieleicht nicht, dass es so viele waren :shock: .

mfg Floppy


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