Wernher von Braun

Hier wird über alles diskutiert das in die Zeit des 2. Weltkriegs fällt.
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kopfabhassan
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Wernher von Braun

Beitrag von kopfabhassan » 18.03.2007, 15:36

Wernher Magnus Maximilian von Braun wurde am 23. März 1912 in Wirsitz, Westpreußen geboren. Er hatte zwei Brüder (Sigismund, geb. 1911 und Magnus, geb. 1919). Sein Vater, Magnus Freiherr von Braun, war ein hoher Beamter und zu dieser Zeit Landrat von Wirsitz. Er sollte später in der Weimarer Republik noch Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft werden.
Im Jahre 1920 siedelte Magnus von Braun mit seiner Familie nach Berlin über. Die ersten Schuljahre verbrachte Wernher von Braun auf dem französischen Gymnasium in Berlin. Doch statt für die Schule zu lernen, baute er lieber kleine Raketenautos, mit denen er Passanten erschreckte. Mit 13 Jahren bekam er von seiner Mutter, Freifrau Emmy von Braun, ein Fernrohr geschenkt. Dieses löste bei Wernher von Braun eine Leidenschaft aus, die ihn nie mehr loslassen sollte. Beim Betrachten des Mondes stellte er sich die Frage, wie man wohl dahin gelangen könnte. Aufgrund schlechter schulischer Leistungen, besonders in Mathematik und Physik, blieb er im gleichen Jahr in der Untertertia sitzen. Sein Vater beschloss daraufhin, ihn auf ein Internat zu schicken.
So kam Wernher von Braun im Jahre 1925 zunächst auf die Internatsschule Schloss Ettersburg in der Nähe von Weimar. In seiner Freizeit befasste er sich oft mit seinem Fernrohr und träumte von fernen Welten. Er hatte sich von seinem Taschengeld das Buch "Die Rakete zu den Planetenräumen" gekauft, das 1923 von Hermann Oberth veröffentlicht wurde und bis heute als das Grundlagenwerk der modernen Raketenforschung gilt. Doch Wernher von Braun hatte Mühe, die vielen mathematischen Formeln zu verstehen. So blieb ihm nichts weiteres übrig, als sich näher mit der Mathematik zu befassen. Im Jahre 1928 wechselte er auf das Hermann-Lietz-Internat auf der Nordseeinsel Spiekeroog. Seine schulischen Leistungen waren mittlerweile so gut, so dass er im April 1930, noch in der Unterprima, vorzeitig zur Abiturprüfung zugelassen wurde.
Bereits im Sommer 1930 ging er als Student an die Technischen Hochschule Berlin. In dieser Zeit lernte in Berlin Hermann Oberth und Rudolf Nebel persönlich kennen. Beide waren zuvor am Filmprojekt "Die Frau im Mond" beteiligt gewesen. Hermann Oberth war wissenschaftlicher Berater des Regisseurs Fritz Lang, der den Film möglichst realistisch gestalten wollte. Zu Werbezwecken sollte zur Filmpremiere eine echte Rakete gestartet werden. Trotz intensiver Bemühungen war der Zeitrahmen zu kurz und das spektakuläre Vorhaben konnte nicht verwirklicht werden.
Wernher von Braun gehörte zusammen mit Hermann Oberth, Rudolf Nebel und Klaus Riedel (Riedel II) zu den ersten deutschen Raketenforschern, die sich ab 1930 am Raketenflugplatz Berlin trafen und gemeinsam forschten und experimentierten. Neben seinem Studium an der Technischen Hochschule Berlin arbeitete der 18-jährige als Praktikant in der Lokomotivenfabrik August Borsig in Berlin-Tegel. Zum Sommersemester 1931 ging Wernher von Braun an die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich, kam aber Ende September 1931 wieder nach Berlin zurück.
Schon bald zeigt das Militär Interesse an den begeisterten Raketenforschern. Oberst Prof. Dr. Becker, Hauptmann von Horstig, und Hauptmann Dipl.-Ing. Walter Dornberger besuchten Ende 1931 den Raketenflugplatz Berlin. Sie konnten von Wernher von Braun überzeugen, als ziviler Mitarbeiter nach Kummersdorf zu kommen. Am 1. Oktober 1932 begann seine Tätigkeit in Kummersdorf. Zuvor war er bereits nach dem bestandenen Staatsexamen als Luftfahrtingenieur von der Technischen Hochschule Berlin im Sommer 1932 an die Universität Berlin gewechselt. Am 16. April 1934 reicht er seine Doktorarbeit in Physik mit dem Thema "Konstruktive, theoretische und experimentelle Beiträge zu dem Problem der Flüssigkeits-Rakete" ein. In Kummersdorf hatte Wernher von Braun zunächst neben seinem Vorgesetzten Walter Dornberger mit Heinrich Grünow nur einen Mitarbeiter. Schon bald gesellten sich Walter Riedel (Riedel I), Dr. Kurt Wahmke und Arthur Rudolph hinzu. Im Jahre 1933 stellte Wernher von Braun mit seinen Mitarbeitern die A1-Rakete fertig. Auch die A2-Rakete wurde noch in Kummersdorf entwickelt und gebaut. Als 1936 die A3-Rakete fertig gestellt wurde, stellte man fest, dass das Testgelände in Kummersdorf für deren Erprobung nicht mehr geeignet war.Die meisten der etwa 90 Mitarbeiter zogen 1937 nach Peenemünde an die Ostsee um. Wernher von Braun wurde technischer Direktor dieses geheimen Raketenzentrums. Am 12. November 1937 stellte er einen Antrag auf Mitgliedschaft in der NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai 1937 aufgenommen. Drei Jahre später, am 1. Mai 1940 trat Wernher von Braun mit dem Rang eines Untersturmführers der SS bei. Im Jahre 1943 war er bereits Sturmbannführer.
Die erste A3-Rakete, die auf dem provisorischen Startgelände in Peenemünde gestartet wurde, explodierte wenige Sekunden nach dem Start am Boden. Am 3. Oktober 1942 glückte der erste Start der neuen A4-Rakete. Erstmals gelang es, eine Rakete ins All zu schießen.Ab 1944 wurden die A4-Raketen, besser bekannt unter dem Namen V2 gestartet und als Waffe eingesetzt.
In der Nacht zum 13. März 1944 wurden Wernher von Braun, sein Bruder Magnus, Klaus Riedel und Helmut Gröttrup von der SS verhaftet und in ein Gefängnis in Stettin gebracht. Ihnen wurde vorgeworfen, sich statt mit der Waffenentwicklung mehr mit der Weltraumfahrt beschäftigt zu haben. Doch General Dornberger gelang es, die Inhaftierten wieder frei zu bekommen.Als sich das Ende des Krieges abzeichnete, waren sowohl die Sowjetunion als auch die USA daran interessiert, so viele Wissenschaftler wie möglich für sich zu gewinnen.
Nach einigen Zwischenstationen traf Wernher von Braun mit einigen Mitarbeitern in Oberjoch im Allgäu ein. Von allen Möglichkeiten, die sie hatten, erschien es ihm am sinnvollsten, sich den Amerikanern zu ergeben. Insgeheim hatte er schon immer eine Vorliebe für die Vereinigten Staaten. Sein Bruder Sigismund war in den dreißiger Jahren durch die USA getrampt und hatte dort auch studiert. Also schlug Wernher von Braun seinen Kollegen vor, sich den Amerikanern zu ergeben.
Am 2. Mai 1945 begaben sich folgende sieben Deutsche in die Obhut der Amerikaner: Wernher von Braun, Magnus von Braun (Bruder von Wernher von Braun), General Walter Dornberger, Stabschef Herbert Axster, Hans Lindenberg (Ingenieur), Bernhard Tessmann (Ingenieur) und Dieter Huzel (Ingenieur).
Nur drei Monate später trafen am 29. September 1945 die ersten sieben Peenemünder auf der Insel Ford Strong in Boston Harbor, USA ein: Wernher von Braun, Wilhelm Jungert, Erich Neubert, Theodor Poppel, Eberhard Rees, August Schulze und Walter Schwidetzky. Sie waren nur die Vorhut. Am 2. Dezember 1945 trafen weitere 45 Deutsche ein. Ihre Zahl erhöhte sich im Februar 1946 auf 111 Techniker. Die meisten wurden in Fort Bliss bei El Paso in Texas untergebracht. Fort Bliss liegt etwa 80 km vom Testgelände in White Sands in Neumexiko entfernt. Nur etwa 35 Peenemünder lebten unmittelbar in White Sands, von wo aus am 14. März 1946 der erste Start einer deutschen V2-Rakete stattfand. Über 100 V2-Raketen waren von den Amerikanern unter größter Geheimhaltung von Deutschland aus in die USA verschifft worden. Die letzten Angehörigen der deutschen Wissenschaftler trafen im Sommer 1947 in White Sands ein. Wernher von Braun heiratete am 1. März 1947 Maria von Quistorp in einer evangelischen Kirche im bayerischen Landshut. Aus dieser Ehe gingen zwei Töchter (Iris, geb. 1950 und Margrit, geb. 1952) und ein Sohn (Peter, geb. 1960) hervor.
Am 15. April 1950 wurde damit begonnen, Wernher von Braun und etwa 120 Mitarbeiter des deutschen Teams nach Huntsville in Alabama, dem neuen Standort des Raketenprogramms der Armee zu verlegen. Das Team bekam mit der Entwicklung der Redstone-Rakete seinen ersten Auftrag. Diese sollte eine Reichweite von 300 Kilometer haben und der Unterstützung von Bodentruppen dienen. Der erste erfolgreiche Start gelang am 20. August 1953 in Cape Canaveral. Aber Wernher von Braun wusste, dass diese Rakete wesentlich mehr leisten konnte. Am 15. April 1955 bekamen Wernher von Braun und 39 seiner Mitarbeiter die amerikanische Staatsbürgerschaft.
Sein großer Durchbruch in den USA gelang ihm am 31. Januar 1958. Mit Hilfe einer unter seiner Führung gebauten Jupiter C-Trägerrakete gelangte der erste amerikanische Satellit Explorer 1 in eine Erdumlaufbahn.Am 1. Oktober 1958 wurde die zivile Raumfahrtbehörde NASA gegründet. Am 21. Oktober 1959 gab Präsident Eisenhower bekannt, dass das Team von Wernher von Braun zur NASA wechseln werde. Am 1. Juli 1960 wurde Wernher von Braun offiziell zum neugegründeten Marshall-Raumfahrtzentrum in Huntsville versetzt. Mit ihm kamen 4.670 Zivilangestellte, die seit zehn Jahren mit ihm in der Armeebehörde für ballistische Raketen (ABMA) gearbeitet hatten zur NASA.
Bis 1970 arbeitete Wernher von Braun dort als Direktor. Unter seiner Federführung wurde die Saturn V-Trägerrakete entwickelt. Diese kam später zusammen mit dem Apollo-Raumschiff im bemannten Mondlandeprogramm zum Einsatz. Damit hatte es von Braun geschafft, seine Vision von einem bemannten Flug zum Mond zu realisieren.Am 1. März 1970 verließ Wernher von Braun Huntsville und ging nach Washington. Der NASA-Chef Tom Paine machte ihn dort zum stellvertretenden Planungschef der NASA. Er sollte Paine bei seinen künftigen, schwierigen Aufgaben unterstützen. Doch am 26. Mai 1972 verließ Werner von Braun resigniert die NASA. Trotz seiner Überzeugungskraft, war es ihm nicht mehr gelungen, noch etwas Entscheidendes zu bewegen. Der US-Kongress kürzte die Mittel der Raumfahrtbehörde drastisch zusammen. An eine Realisierung seines größten Ziels, einer bemannten Marslandung, war überhaupt nicht mehr zu denken.

Am 23. Mai 1975 besuchte Wernher von Braun die nach ihm benannte Schule in Neuhof bei Fulda.

Wernher von Braun wurde später Vizepräsident beim Luft- und Raumfahrtkonzern Fairchild Industries Inc. in Germantown, Maryland und befasste sich mit der Vermarktung eines Kommunikationssatelliten für Entwicklungsländer. Am 15. Juli 1975 gründete Wernher von Braun das nationale Raumfahrtinstitut, das neue Perspektiven für die Raumfahrt entwickeln sollte. Zu dieser Zeit war er schon an Krebs erkrankt. Danach schrieb er noch einige philosophischen Abhandlungen, die sich besonders mit der Moral in der Wissenschaft befassten.

Wernher von Braun starb im Alter von nur 65 Jahren am 16. Juni 1977 in Alexandria, Virginia. Sein Grab befindet sich auf dem "Ivy Hillside Cemetry" in Alexandria, das in der Nähe von Washington liegt.


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